Veranstaltungskalender
Inhaltsverzeichnis
Programm April bis Juli 2026
Das komplette Programmheft für die Monate September bis Dezember 2026 können Sie hier als PDF herunterladen.
Eintritt
Soweit nicht anders vermerkt ist der Eintritt zu den Veranstaltungen frei.
Anmeldung
Bei Veranstaltungen mit Anmeldung bitten wir um rechtzeitige Platzreservierung per E-Mail.
Auch bei Veranstaltungen ohne Anmeldung gilt: Einlass nur bis zur höchstzulässigen Personenzahl.
Fotos
Mit der Teilnahme an den Veranstaltungen erklären Sie sich damit einverstanden, dass Sie gegebenenfalls auf Aufnahmen zu sehen sind, die das Haus des Deutschen Ostens im Rahmen seiner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verwendet.
September
bis 31. Oktober, Ausstellung: Bilder der Heimat in Kinderaugen
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ausstellungsdauer: 14. Juli bis 31. Oktober 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr, im August bis 18.00 Uhr
In Kooperation mit: Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene
„Bilder der Heimat in Kinderaugen“ – unter diesem Motto zeigt das HDO siebzehn Bilder junger Künstler im Alter von sechs bis zwölf Jahren mit familiären Wurzeln in den früheren deutschen Siedlungsgebieten im östlichen Europa. Entstanden ist die Ausstellung aus einer Idee der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl, MdL, die Kinder mit Wurzeln in den Herkunftsregionen der Vertriebenen und Aussiedler aufgefordert hatte, im Rahmen eines Malwettbewerbs ihre Vorstellung von der alten Heimat ihrer Vorfahren auf die Leinwand zu bannen. Vorausgegangen waren der Entstehung der Bilder und Zeichnungen intensive Gespräche der Kinder mit ihren Großeltern und Urgroßeltern über die alte Heimat, somit ein echter „Dialog der Generationen“. Die Ergebnisse des Wettbewerbs beeindrucken durch Emotionalität und Tiefe. Die Sieger wurden am 19. Februar 2026 in einem Festakt im Bayerischen Sozialministerium ausgezeichnet.
bis 17. Oktober, Ausstellung: Einfach schön? Politisierung deutscher Volkskultur aus dem östlichen Europa
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ausstellungsdauer: 24. Juli bis 17. Oktober 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr, im August bis 18.00 Uhr
Mit Unterstützung: Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen des Landes Baden-Württemberg
In Kooperation mit: Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas (IKDE), Freiburg und Heimatpflegerin der Sudetendeutschen
Eine Ausstellung des Instituts für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas (IKDE), Freiburg
Kulturellen Praktiken wie dem „Volkstanz“ oder Objektivationen wie der Tracht wurde und wird bis heute ein ästhetischer Wert zugesprochen. Sie scheinen einfach schön zu sein – gerade in ihrem vermeintlich traditionellen und kaum durch die Moderne berührten Charakter. „Volkskultur“ als schön wahrzunehmen, ist Ergebnis eines durch moderne Sehgewohnheiten und Ideologisierungen geprägten Blicks. Zugleich erlangten „volkskulturelle“ Ästhetiken erst durch ihren Gebrauch in modernen Kontexten Relevanz, Popularität und Bedeutung. Die ästhetische Anmutung von als „Volkskultur“ verstandenen Elementen spielt bis heute eine wichtige Rolle nicht nur in der politischen Kommunikation. In ihrer vermeintlichen Einfachheit und ästhetischen Anmutung erfährt „Volkskultur“ eine komplexe und vielschichtige Politisierung.
Dies zeigen beispielhaft die Exponate der Ausstellung – und zwar mit einem Fokus auf der Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung im bzw. aus dem östlichen Europa. In zeitlicher Hinsicht nimmt die Ausstellung die Zeit zwischen den 1920er- und den 1960er-Jahren in den Blick. Schlaglichtartig wird dabei anhand von Materialien aus dem Archiv des IKDE der unterschiedliche politische Gebrauchswert vermeintlich „einfacher“ Ästhetik sowie deren Kontinuität über das Jahr 1945 hinaus herausgearbeitet.
3. September, Vortrag: Die Erntedankfeste in Saybusch (Żywiec). Politische Instrumentalisierung eines Brauchs im besetzten Polen des Zweiten Weltkriegs
Termin: Donnerstag, 3. September 2026, 19.00 Uhr
Referent: Dr. Dr. h. c. Hans-Werner Retterath (Freiburg)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Sudetendeutsche Heimatpflege
Die im ländlichen Jahreslauf populären Erntedankfeste erfuhren im „Dritten Reich“ in Verbindung mit dem NS‑Bauernkult eine starke politische Instrumentalisierung. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurden ab 1940 deutschstämmige, überwiegend bäuerliche Menschen aus der Bukowina, Ostgalizien und Wolhynien in den annektierten Teil Südpolens umgesiedelt. In Saybusch (Żywiec) fand 1942 – nach einer Probeveranstaltung im Vorjahr – das Erntedankfest des Gaus Oberschlesien statt. Die von NS‑Behörden und Dienststellen inszenierten Feierlichkeiten kulminierten in einem großen Umzug, an dem nicht nur bäuerliche Betriebe und Veredlungsfirmen landwirtschaftlicher Produkte teilnahmen, sondern auch Abordnungen verschiedener NSDAP‑Gliederungen. Die Inszenierung zielte nicht nur auf die Integration und ideologische Einbindung der Umsiedler ab, sondern sollte der verbliebenen polnischen Bevölkerung zugleich unmissverständlich demonstrieren, dass ihr Gebiet dem Deutschen Reich zugeordnet war und ihnen allenfalls eine untergeordnete Rolle zugedacht wurde.
8. September, Stadtrundgang: Die Schwabinger Bohème aus dem Osten
Termin: Dienstag, 8. September 2026, 10.00 Uhr
Referentin: Patricia Erkenberg (HDO)
Treffpunkt: U-Bahn-Haltestelle Giselastr., vor dem „Walking Man“
Dauer: ca. 1,5 bis 2 St.
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Um 1900 waren die Münchner Stadtviertel Schwabing und Maxvorstadt das Zentrum einer künstlerisch-intellektuellen Bewegung. Hier siedelten sich junge Schriftsteller und Dichter, aber auch bildende Künstler an und trafen sich in den zahlreichen Cafés und Gasthöfen. Die wenigsten von ihnen waren in München oder in Bayern geboren; vielmehr stammten sie aus dem gesamten damaligen deutschsprachigen Raum.
Im Stadtrundgang werden einige Vertreter der Schwabinger Bohème mit Wurzeln im östlichen Europa und ihr Einfluss auf das Gesamtphänomen vorgestellt. Dazu gehört z.B. Max Halbe (geb. 1865 im westpreußischen Güttland in der Nähe von Danzig), der zu den meistgespielten Dramatikern seiner Zeit gehörte und ab 1895 in München wirkte. Auch sein Freund Lovis Corinth (geb. 1858 im ostpreußischen Tapiau) gehörte in den 1880er–1890er Jahren zur Schwabinger Bohème. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Impressionismus. Beide waren Teil der Münchner Literatengruppe „Die Nebenregierung“, der auch Graf Eduard von Keyserling (geb. 1855 in Kurland) angehörte. Während seine Romane vor allem in seiner baltischen Heimat angesiedelt sind, lebte er selbst von 1894 bis zu seinem Tod 1918 in Schwabing.
Nach dem Rundgang besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Besuch eines Cafés (auf eigene Kosten). Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie daran teilnehmen möchten.
13. September, Tag des offenen Denkmals: NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur
Termin: Sonntag, 13. September 2026, 11.00 – 17.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Eintritt frei
Wir alle werden von Netzwerken getragen: Ob familiär, im Freundeskreis, in Vereinen, Kirchen oder beruflich – wir existieren nie allein, sondern leben in Verbindung mit anderen, die unser persönliches Netzwerk bilden. Aus diesen persönlichen Netzwerken entsteht die Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten. Sie ist das Netzwerk, in dem wir uns im Land bewegen, in dem wir Waren und Dienstleistungen, vor allem aber Gedanken und Ideen austauschen, um unser Dasein zu sichern und zu entwickeln. All diese Netzwerke formen und stützen unsere Identität – individuell und kollektiv.
Netzwerke benötigen Infrastruktur – sonst wären sie nicht vernetzt. Knotenpunkte und ihre Verbindungen bilden diese Infrastruktur. Gebaut in Stein, Beton oder Metall haben Menschen diese Infrastruktur entstehen und wachsen lassen – das macht sie zu Denkmalen, die unsere täglichen Wege seit jeher mitbestimmen. Historische Konstruktionen, die nicht nur ihren ideellen Zweck erfüllen, uns Identität und außergewöhnliche Ästhetik schenken, sondern teils auch aus praktischen Gründen gepflegt und erhalten werden sollten. Am Tag des offenen Denkmals 2026 wollen wir mit Ihnen gemeinsam zeigen, wie Ihre Denkmale unsere Netzwerke tragen (Text: https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/motto).
Besuchen Sie im Anschluss an das Programm auch unsere Gaststätte „Bohemia“, die bereits ab 12.00 Uhr geöffnet ist.
Programm
Uhrzeit: 11.15 Uhr
Veranstaltungsort: HDO-Bibliothek
Referentin: Dr. Lilia Antipow-Altrichter
Die „Schlesische Bibliothek“ stellt eine herausragende und einmalige Erwerbung des HDO dar. Die Sammlung des gebürtigen Briegers Herbert Neugebauer umfasst rund 3.000 Medieneinheiten: Werke schlesischer Autoren, Publikationen schlesischer Verlage sowie zu Schlesien Thematik, 1700–1900. Neben Nachschlagewerken und fachwissenschaftlicher Literatur enthält die Sammlung bedeutende literarische Zeugnisse, u. a. von Angelus Silesius, Andreas Gryphius, Friedrich von Logau und Anna Louisa Karsch.
Uhrzeiten: 11.30 Uhr, 13.30 Uhr, 16.00 Uhr
Treffpunkt: im Foyer
Referentin: Patricia Erkenberg M.A.
In einer Kurzführung wird die Geschichte des Gebäudes von den Anfängen als Benediktinerinnenkloster Ende des 17. Jahrhunderts über die Nutzung nach der Säkularisation als Amtsgebäude und Gefängnis bis zum heutigen Begegnungszentrum „Haus des Deutschen Ostens“ vorgestellt. Auch die denkmalgerechten Renovierungen und Erneuerungen des Gebäudes der letzten Jahre werden kurz präsentiert. Besonderes Highlight der Führung ist die Besichtigung des sonst nicht zugänglichen Dachstuhls des Hauses.
Uhrzeiten: 12.30 Uhr, 15.30 Uhr
Treffpunkt: im Eingangsbereich der Bibliothek
Referentin: Dr. Lilia Antipow-Altrichter
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Die Bibliothek des Hauses des Deutschen Ostens umfasst rund 90.000 Bände sowie 383 laufende Periodika und ist damit die größte öffentliche Spezialbibliothek ihrer Art in Bayern. Der Sammelschwerpunkt liegt auf der Geschichte und Kultur der Deutschen des östlichen Europa. In der Kurzführung wird die Geschichte der Bibliothek erläutert und deren Räumlichkeiten gezeigt. Zudem werden einige besondere Schätze des Bestandes präsentiert und ein Einblick ins sonst verschlossene Magazin gewährt.
Uhrzeit: 14.30 Uhr
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Für Hobbyfotografen: Beim Rundgang durchs Haus und die Bibliothek gibt der erfahrene Fotograf Daniel Mayer praxisnahe Tipps, wie Architekturfotografie besonders gelingen kann. Er zeigt, wie man im Innen und Außenbereich interessante Motive entdeckt, Licht und Schatten gezielt einsetzt und stimmungsvolle Bildausschnitte komponiert. Das Gelernte dürfen die Teilnehmenden sofort mit der eigenen Kamera oder dem Smartphone praktisch testen. Zugleich geht es auf Spurensuche zur Geschichte des Hauses.
17. September, Buchpräsentation „Gertrud Müller. Brückenbauerin zwischen Bayern und Polen. Eine Biografie zwischen Heimatverlust, Emanzipation und Völkerverständigung“ (2026)
Termin: Donnerstag, 17. September 2026, 19.00 Uhr
Referentinnen: Prof. Dr. Daniela Neri-Ultsch, Gertrud Müller (beide München)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In diesem Buch wird die Rolle heimatvertriebener Frauen bei Flucht und Wiederaufbau in Bayern exemplarisch an der Lebensgeschichte von Gertrud Müller erzählt. 1936 in Gleiwitz geboren, floh sie 1945 nach Bayern und schlug sich vom Flüchtlingsmädchen zur Industriekauffrau, später zur Direktionsassistentin und schließlich zur ersten Vorsitzenden der Kreisgruppe München der Landsmannschaft der Oberschlesier durch. Ihr Werdegang zeigt eindrücklich, wie Bildung, Berufstätigkeit und zivilgesellschaftliches Engagement Frauen neue Rollenmodelle eröffneten, die wirtschaftliche Unabhängigkeit mit sozialer und politischer Teilhabe verbanden. Damit trugen heimatvertriebene Frauen wesentlich zur Überwindung traditioneller Rollenbilder in Bayern bei. Zugleich veranschaulicht das Beispiel, wie nach dem Ende des Ost-/West Konflikts 1990 transnationale Netzwerke sowie kultur und gesellschaftspolitischer Austausch zwischen Bayern und Polen zu nachhaltiger Verständigung und Versöhnung auf zivilgesellschaftlicher Ebene führten. Die Biografie rückt ein bislang vernachlässigtes Kapitel bayerischer Nachkriegsgeschichte ins Zentrum: Handlungsspielräume und Leistungen heimatvertriebener Frauen.
Oktober
8. Oktober, Erzählcafé: Dr. Lilia Antipow-Altrichter im Gespräch mit Ria Schneider
Termin: Donnerstag, 8. Oktober 2026, 15.00 Uhr
Eintritt: 5 Euro (inkl. Kaffee und eines Stücks Kuchen)
Veranstaltungsort: Gaststätte „Bohemia“ im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ria Schneider (geboren 1932 in der Batschka, heute Serbien) ist eine renommierte deutsche Tanzpädagogin und gilt als eine der bedeutendsten Expertinnen für Kastagnettenmusik und den spanischen Tanz. So arbeitete sie eng mit dem legendären spanischen Tänzer und Choreografen José de Udaeta zusammen. Nach seinem Tod im Jahr 2009 verwaltete sie seinen künstlerischen Nachlass. Im Jahr 2011 veröffentlichte Ria Schneider das Buch „Erinnerungen an José de Udaeta“, zu dem unter anderem die weltberühmte Opernsängerin Montserrat Caballé Beiträge beisteuerte.
Das Engagement von Ria Schneider für die Donauschwaben ist tief in ihrer eigenen Familiengeschichte verwurzelt und konzentriert sich stark auf die Kulturpflege, Mundartrettung und historische Zeitzeugenarbeit.
8. Oktober, Vortrag: Raum für mehr: Die Egerländer Stube zwischen idyllischem Sehnsuchtsort und nationalsozialistischem „Kultraum“
Termin: Donnerstag, 8. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Dr. Elisabeth Fendl (Freiburg)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Sudetendeutsche Heimatpflege
Bei Gewerbeausstellungen, in Gaststätten und Museen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts schufen sogenannte „Bauernstuben“ ein bewusst stilisiertes Bild von Ländlichkeit. Als Gegenentwurf zur sich modernisierenden Stadt- und Landgesellschaft sollten sie Traditionsvermittler und nostalgische Sehnsuchtsorte zugleich sein. Besonders oft rekurrierte man auf das westböhmische Egerland: Der intensive Kontakt mit dem adeligen und bürgerlichen Badepublikum Karlsbads, Marienbads und Franzensbads förderte dort früh eine kultivierte Stilisierung ländlicher Lebensweisen, die Heimatkundler wie Alois John und Josef Hofmann zunehmend mit nationalen Bedeutungen belegten. Wegen seiner politischen Lage galt das Egerland bereits seit der Jahrhundertwende als volkskundliche Modellregion. Die „Egerländer Bauernstube“ wurde zum Schauplatz von Volkskunst und Werten wie Familie, Frömmigkeit und Authentizität – und wandelte sich in den 1930er Jahren schrittweise vom idyllischen Sehnsuchtsort zum ideologisch aufgeladenen „Kultraum“.
Der Vortrag verfolgt diese Entwicklung und beleuchtet, wie ästhetische Inszenierung, politischer Diskurs und Erinnerungskultur die bäuerliche Stube transformierten.
13. Oktober, Kuratorenführung durch die Ausstellung "Einfach schön? Politisierung deutscher Volkskultur aus dem östlichen Europa"
Termin: 13. Oktober 2026, 17.30 Uhr
Referentin: Dr. Lilia Antipow-Altrichter (HDO)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle@hdo.bayern.de
Eine Ausstellung des Instituts für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas (IKDE), Freiburg
Kulturellen Praktiken wie dem „Volkstanz“ oder Objektivationen wie der Tracht wurde und wird bis heute ein ästhetischer Wert zugesprochen. Sie scheinen einfach schön zu sein – gerade in ihrem vermeintlich traditionellen und kaum durch die Moderne berührten Charakter. „Volkskultur“ als schön wahrzunehmen, ist Ergebnis eines durch moderne Sehgewohnheiten und Ideologisierungen geprägten Blicks. Zugleich erlangten „volkskulturelle“ Ästhetiken erst durch ihren Gebrauch in modernen Kontexten Relevanz, Popularität und Bedeutung. Die ästhetische Anmutung von als „Volkskultur“ verstandenen Elementen spielt bis heute eine wichtige Rolle nicht nur in der politischen Kommunikation. In ihrer vermeintlichen Einfachheit und ästhetischen Anmutung erfährt „Volkskultur“ eine komplexe und vielschichtige Politisierung.
Dies zeigen beispielhaft die Exponate der Ausstellung – und zwar mit einem Fokus auf der Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung im bzw. aus dem östlichen Europa. In zeitlicher Hinsicht nimmt die Ausstellung die Zeit zwischen den 1920er- und den 1960er-Jahren in den Blick. Schlaglichtartig wird dabei anhand von Materialien aus dem Archiv des IKDE der unterschiedliche politische Gebrauchswert vermeintlich „einfacher“ Ästhetik sowie deren Kontinuität über das Jahr 1945 hinaus herausgearbeitet.
13. Oktober, Vortrag: Der lange Schatten der Beneš-Dekrete
Termin: Dienstag, 13. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Referent: Dr. Péter Techet (Wien)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Mit den während und nach dem Zweiten Weltkrieg erlassenen Dekreten des tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš wurden Hunderttausende Menschen deutscher und ungarischer Abstammung entrechtet und enteignet – darunter auch Personen jüdischer Herkunft mit deutscher oder ungarischer Muttersprache sowie Menschen, die nicht der deutschen Minderheit angehörten, wie etwa die Adelsfamilie Liechtenstein.
Die Dekrete blieben auch nach 1993 Bestandteil der tschechischen und slowakischen Rechtsordnungen; die Betroffenen wurden trotz politischer Erklärungen nie entschädigt. Während sie in Tschechien faktisch nicht mehr angewendet werden, dienen sie in der Slowakei weiterhin als Grundlage für entschädigungslose Enteignungen von Grundbesitzern ungarischer Herkunft.
Der Vortrag beleuchtet die erinnerungspolitischen und rechtlichen Folgen der fortgeltenden Beneš-Dekrete mit besonderem Fokus auf die bayerisch-tschechischen, liechtensteinisch-tschechischen und slowakisch-ungarischen Beziehungen.
17. Oktober, Lange Nacht der Münchner Museen
Termin: Samstag, 17. Oktober 2026, 18.00 – 1.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Eintritt: 20 Euro (berechtigt zum Besuch aller beteiligten Museen und Nutzung der Shuttlebusse), erhältlich im HDO
Bei der Langen Nacht der Münchner Museen am 18. Oktober 2025 öffnen rund 100 Münchner Museen, Sammlungen, Galerien, Kunsträume und viele weitere Orte ihre Pforten von 18 bis 1 Uhr nachts. Die Vielfalt der teilnehmenden Museen, die Atmosphäre zu später Stunde und die Aktionen und Führungen lockten 2024, zum 20. Jubiläum rund 30.000 Besucher zur Museumsnacht. (Text: muenchen.de)
Das HDO präsentiert zur Langen Nacht der Museen die Ausstellung „Einfach schön?“
Weitere Informationen zur Langen Nacht 2026 finden Sie hier.
22. Oktober, Filmsoirée: „Geretsried: Vom Bauernhof zum Hightech-Standort“ (2025)
Termin: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Dr. Sybille Krafft (München)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Am 7. April 1946 kamen die ersten Heimatvertriebenen aus dem Egerland in Geretsried an. In ihrem Fluchtgepäck steckten neben ein paar Habseligkeiten auch Fleiß, handwerkliches Können und die Wertschätzung von Traditionen. Damit begann vor achtzig Jahren die bemerkenswerte Entwicklung unserer Nachbarstadt, die neben Neugablonz, Neutraubling, Traunreut und Waldkraiburg zu einer der fünf Vertriebenenstädte in Bayern zählt.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war Geretsried nur eine Doppelschwaige im Wolfratshauser Forst. Dann wurden dort zwei große Rüstungsbetriebe errichtet, zu denen auch das Lager Föhrenwald gehörte, das heutige Waldram.
Geretsried hat in den letzten Jahrzehnten einen erstaunlichen Aufschwung genommen. Der Dokumentarfilm zeigt mit historischen und aktuellen Aufnahmen, wie Geretsried zur größten und wirtschaftlich erfolgreichsten Stadt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen geworden ist. Zeitzeugen und Zeitzeuginnen berichten von ihren Erfahrungen, im Jahreslauf wird das Stadtleben mit seinen unterschiedlichen Facetten dargestellt.
23. Oktober Dies academicus zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz - Dichter, Journalist, Wahlkämpfer
Termin: Freitag, 23. Oktober 2026, 14.00–18.00 Uhr
Referenten: Heinz Starkulla (München), Günter Berg (Hamburg / Berlin), Jörg Magenau (Berlin)
Moderation: Prof. Dr. Andreas Otto Weber (Direktor des HDO)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Arbeitskreis für ost- und westpreußische Landeskunde der LMU
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de>mail_ende>
Heuer jährt sich der Geburtstag eines der berühmtesten deutschen Schriftsteller der Jetztzeit zum hundertsten Mal: Siegfried Lenz, geboren am 17. März 1926 im ostpreußischen Lyck, ist früh bekannt geworden mit heiteren Geschichten aus der masurischen Heimat unter dem vielfach aufgelegten Titel „So zärtlich war Suleyken“, späterhin mit großen Romanen wie „Deutschstunde“ und Novellen wie „Schweigeminute“. Siegfried Lenz hat aber im Laufe seines Lebens auch journalistisch gearbeitet, so am Anfang seiner Laufbahn bei der von der britischen Besatzungsmacht begründeten Tageszeitung „Die Welt“ in Hamburg sowie beim Nordwestdeutschen Rundfunk, wobei er besonders das Feuilleton pflegte. Und nicht zuletzt hat sich Lenz – wie auch andere Schriftsteller, etwa Günter Grass – politisch engagiert, als Wahlkämpfer für die SPD. Legendär ist etwa seine enge Freundschaft mit Helmut Schmidt, die solchem Einsatz zugrunde lag.
Das HDO kooperiert mit der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde der Ludwig-Maximilians-Universität München, deren diesjähriger Dies academicus Siegfried Lenz gewidmet ist, um ebendiese Aspekte zu beleuchten. Im Verlauf der Tagung, die Andreas Otto Weber moderiert, wird der Vorsitzende der Siegfried Lenz Stiftung, Günter Berg, seinen Lebensweg und sein schriftstellerisches Werk vorstellen. Heinz Starkulla, Vorsitzender der LMU-Arbeitsgemeinschaft, skizziert die journalistische Tätigkeit des Autors. Und der Journalist und Bestsellerautor Jörg Magenau widmet sich schließlich der politischen Persönlichkeit Siegfried Lenz’.
Im Anschluss an die Veranstaltung lädt das HDO zu einem kleinen Empfang. Zudem wird es einen Büchertisch mit ausgewählten Werken von Lenz geben.
23. Oktober, Lesung: Siegfried Lenz (1926-2014): „So zärtlich war Suleyken“ (1955)
Termin: Freitag, 23. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Sprecher: Stephan Schäfer (Köln)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Arbeitskreis für ost- und westpreußische Landeskunde der LMU
Siegfried Lenz erzählt in den „Masurischen Geschichten“ von den liebenswerten Käuzen und Querköpfen des Dorfes Suleyken, irgendwo im Süden Ostpreußens zwischen Torfmooren, sandiger Öde, verborgenen Seen und Kiefernwäldern. In zwanzig Schelmengeschichten setzt er Landschaft und Menschen ein literarisches Denkmal. Bei aller Leichtigkeit des Stils sind es tiefsinnige Erkundungen der masurischen Seele. Der miterlebende Erzähler, dessen Ton Naivität vortäuscht, trifft die Helden, die in erfrischend unprätentiöser Nachdenklichkeit über elementare Lebensfragen sinnieren. Lenz rühmt die Originalität und unterschwellige Intelligenz dieses Menschenschlags mit blitzhafter Schläue, tapsiger Zärtlichkeit und rührender Geduld. Figuren wie der lesefreudige Großvater Hamilkar Schass, der reiche Stanislaw Griegull mit seinem absurden Geduldsduell oder der schöne Alec, dem das Erbe seines Onkels bevorsteht, spiegeln die Skepsis der Dorfbewohner gegenüber technischem Fortschritt, etwa der Jungfernfahrt der Kleinbahn Popp.
29. Oktober, Ausstellungseröffnung: Zeppeline in Temeswar
Ausstellungsdauer: 30. Oktober bis 6. November 2026
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr
In Kooperation mit: Heimatortsgemeinschaft Sanktandres / Banat
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 29. Oktober 2026, 18.00 Uhr
Referenten: Johann Janzer (Neutraubling), Dr. Jörg Biber (Dresden)
Grußwort: Prof. Dr. Andreas Otto Weber (Direktor des HDO)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle@hdo.bayern.de
Es mussten mehr als 100 Jahre vergehen, bis ein nahezu vergessenes Kapitel der Luftfahrtgeschichte wieder ins Blickfeld rückte. Im Herbst 1915, vor 111 Jahren, landete zwischen der Banater Landeshauptstadt Temeswar/Timișoara und der banatschwäbischen Gemeinde Sanktandres/Sânandrei das erste Zeppelin-Luftschiff im Banat und vermutlich auch auf dem Balkan.
Johann Janzer, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Sanktandres, und Dr. Jörg Biber, Autor des Buches „Luftschiffe über dem Balkan 1915 bis 1918“, entwickelten mit Unterstützung des Demokratischen Forums der Banater Deutschen die Wanderausstellung „110 Jahre Luftfahrtgeschichte im Banat“. Umfangreiche Recherchen im Militärhistorischen Museum Dresden und die Zusammenarbeit mit dem Banater Museum Temeswar förderten wertvolle neue Erkenntnisse.
Unter dem Motto „Wenn Geschichte die Gemeinschaft bindet“ erinnert die Ausstellung an ein zentrales Kapitel der Banater Schwaben und macht sichtbar, wie ein vereintes Europa gemeinsame Geschichte neu beleben kann.
November
12. November, Erzählcafé: Dr. Renate von Walter im Gespräch mit… Viola Plump
Termin: Donnerstag, 12. November 2026, 15.00 Uhr
Eintritt: 5 Euro (inkl. Kaffee und eines Stücks Kuchen)
Veranstaltungsort: Gaststätte „Bohemia“ im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Viola Plump ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und seit 2003 als Executive-/Life-Coach tätig. Als 1. Vorsitzende des Fördervereins und Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Kulturwerk Schlesien engagiert sie sich maßgeblich für die schlesische Kunst und Kultur. Ihre tiefe Verbundenheit mit der Region rührt von der Familiengeschichte ihres Vaters her, der 1929 in Neusalz an der Oder geboren wurde. Seit Viola Plump 1978 erstmals an einer Studientagung der Stiftung teilnahm, prägt sie deren akademische und kulturelle Arbeit. Sie ist zudem in zahlreichen weiteren schlesischen Vereinen aktiv, darunter der Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur und das Haus Schlesien. Neben ihrer Vorstandsarbeit tritt sie häufig als Kuratorin in Erscheinung – wie bei der Retrospektive und dem Kurzfilm über die schlesische Malerin Gerda Stryi. Im Frühjahr 2025 wurde die Ausstellung im HDO gezeigt.
12. November, Ausstellungseröffnung: Von Dohejm nach Zuhause. Eine Landschaft gewinnt die Menschen zurück
Ausstellungsdauer: 13. November 2026 bis 21. Januar 2027
Öffnungszeiten: Montag - Freitag (werktags) , 10 - 20 Uhr, in den Weihnachtsferien geschlossen
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 12. November 2026, 18.00 Uhr
Referentin und Musik: Katharina Leis (Chemnitz)
Grußwort: Prof. Dr. Andreas Otto Weber (Direktor des HDO)
Moderation: Patricia Erkenberg M.A. (HDO)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Die Ausstellung widmet sich einem Kapitel der deutsch tschechischen Geschichte: der Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Verlust der vertrauten Heimat und die Suche nach einer neuen gehören zur Geschichte der Vorfahren der Kuratorin Katharina Leis. Anhand konkreter Beispiele zeigt die Präsentation die Komplexität und Vielschichtigkeit der bis heute sichtbaren Wirkspuren.
Die künstlerische Gestaltung lädt dazu ein, dem Thema sinnlich zu begegnen – durch Wort Bild Collagen, Fotografien, Zeitzeugenberichte, Fundstücke und Hörproben. Lohnt sich heute noch eine Spurensuche? Katharina Leis’ Antwort lautet: Ja. Neue Wege zu Heilung und Versöhnung können sich öffnen – für das Individuum, im Miteinander und im Umgang mit der Geschichte.
Vielleicht trägt diese Auseinandersetzung auch dazu bei, Verständnis und Empathie für unterschiedliche Lebenswelten zu wecken und Menschen bei ihrer Beheimatung zu unterstützen.
17. November, Lesung: „Die Tiefe“ (2025)
Termin: Dienstag, 17. November 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Ishbel Szatrawska (Krakau)
Moderation: Dr. Lilia Antipow-Altrichter (HDO)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Generalkonsulat von Polen in München
Ishbel Szatrawska ist Gast der X. Ausgabe der HDO-Lesereihe „Frauen schreiben Geschichte(n)“. Sie findet seit 2021 in verschiedenen Formaten statt. Zusammen mit dem Onlineprojekt „Autorinnen lesen!“ bietet sie ein Forum für Schriftstellerinnen aus Deutschland und dem östlichen Europa. Geschichte und Gegenwart der Deutschen und ihrer Nachbarn in dieser Region spielen in ihrem Werk eine exzeptionelle Rolle. Historische Persönlichkeiten und fingierte Figuren werden dabei zu Akteuren in einem fiktionalen Geschehen. Darüber hinaus setzen sich die hier präsentierten Autorinnen in ihrem Werk mit verschiedenen Facetten des Themenspektrums Frauen auseinander: Frauenbilder und mythologisierende Stereotypen des Weiblichen, Formen der weiblichen Freundschaft und ihre soziale und psychologische Funktion, Kunst und Literatur als Schlüssel zu den emotionalen Bedingungen des weiblichen Seins in der Moderne – und vieles mehr. In ihren Romanen, Erzählungen und Lyrik, die vielfach ein individuelles Drama mit historischen Konstellationen und erzählerischer Spannung verbinden, befinden sich Frauen häufig auf der existentiellen Sinnsuche, die sich zwischen Heimat und Fremde abspielt.
„Die Tiefe“ erzählt über mehrere Generationen einer Familie, deren Schicksal untrennbar mit dem einstigen Ostpreußen verbunden ist, einer Grenzregion, in der sich polnische, masurische, deutsche und litauische Identitäten seit Jahrhunderten überlagern. Im Zentrum stehen die Großmutter Janka, die aristokratische Gudrun und ihr Geliebter Max, ein deutscher Chirurg, sowie Tante Gertraud, Jankas Sohn Wolf und die junge Anthropologin Alicja. Alicja kämpft mit der Entscheidung, das Elternhaus an der Guber zu verkaufen — ein geheimnisumwobenes Gebäude voller Erinnerungen und unausgesprochener Geschichten. Die Erzählung begleitet die Protagonistinnen und Protagonisten von den Schrecken des Krieges — dem Fall von Königsberg und Rastenburg und dem Vorrücken der Roten Armee — über die erstickende Stille des kommunistischen Polens, in dem die Vergangenheit nur im Flüsterton weiterlebt, bis in die Gegenwart, wo ein neuer Konflikt heraufzieht. Themen wie Erinnerung, Identität, Verlust und Versöhnung verweben sich zu einem vielstimmigen Familienporträt, das die Bruchlinien europäischer Geschichte spürbar macht.
20. November, Buchpräsentation und Vortrag: Erlebte Vielfalt, gespiegelt in der Literatur aus und über Rumänien
Termin: Freitag, 20. November 2026, 18.30 Uhr
Referenten: Sigrid Katharina Eismann (Hanau-Steinheim) Dr. Enikő Dácz (München)
Moderation: Brigitte Drodtloff (München)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: GEFORUM, IKGS e.V. und Kulturwerk Banater Schwaben e.V.
Eine Veranstaltung im Rahmen der Rumänischen Kulturtage 2026
Im Rahmen der Rumänischen Kulturtage in München steht in diesem Jahr das Motto „Vielfalt“ im Mittelpunkt. Wie haben die zahlreichen Ethnien und Minderheiten das Zusammenleben in Rumänien geprägt? Erinnerungen, erlebte Konflikte, Migration, lebenslange Freundschaften, Gemeinsamkeiten und Verluste sind zentrale Themen der rumänischen Literatur.
Das Programm eröffnet Sigrid Katharina Eismann mit der Buchpräsentation „Mein innerer Schwarzwald“; sie liest aus ihrem 2025 erschienenen Roman. Im Anschluss stellt Dr. Enikö Dacz aktuelle Romane zum Thema „Ethnien in Rumänien“ vor. Abgerundet wird der Abend durch eine kurze Exkursion in die Erinnerungswelt der Siebenbürger Sachsen: Kerstin Arz spricht über „Minderheiten innerhalb der Minderheit“. Die Veranstaltung wird durch musikalische Beiträge begleitet.
26. November; Ausstellungseröffnung: Stolze Städte und feste Kirchenburgen unter den Karpaten
Ausstellungsdauer: ab 26. November 2026
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 26. November 2026, 15.00 Uhr
Referent: Prof. Dr. Andreas Otto Weber (HDO)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Vom 28. Mai bis 5. Juni 2026 führte eine Studienreise des HDO in Kooperation mit der ALP Dillingen nach Siebenbürgen in Rumänien – dem Land der Kirchenburgen, Sachsendörfer und historischen Städte. Unter dem Titel „Zusammenleben in einem multiethnischen Raum im Südosten Europas – Die Siebenbürger Sachsen im heutigen Rumänien“ fand ein Auslandslehrgang für Lehrkräfte der Fächer Geschichte, Politik und Sozialkunde aus ganz Bayern statt.
Ausgehend von Hermannstadt/Sibiu und dessen Umland führte das umfangreiche Besuchs und Begegnungsprogramm weiter über Kronstadt/Brașov und Schäßburg/Sighișoara. Die Reise zog sich durch gebirgsreiche, grüne Landschaften und eindrucksvolle Sachsendörfer mit ihren zahlreichen Kirchenburgen und kehrte schließlich nach Hermannstadt zurück.
Begegnungen in Schulen, Kulturzentren und Museen sowie Besuche bei einer Kachelbrennerei, einem Weingut und einem Hirtenhof boten vielfältige Gelegenheiten, die Besonderheiten und die kulturelle Vielfalt der Region intensiv kennenzulernen.
Dezember
1. Dezember, Vortrag: Zwischen Trauben und Traumata. Zur Geschichte deutscher Siedlungen in Südkaukasien
Termin: Dienstag, 1. Dezember 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Prof. Dr. Eva-Maria Auch (Berlin)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In diesem Sommer und Herbst jährt sich die Deportation der deutschstämmigen Bevölkerung aus den kaukasischen Unionsrepubliken der ehemaligen UdSSR nach Zentralasien und Sibirien zum 85. Mal. Während man die Wolgadeutschen noch die Kornernte einbringen ließ, leitete die Weintraubenernte in Südkaukasien im Oktober 1941 ein schreckliches Finale ein: Mit der Zwangsumsiedlung von rund 50.000 Deutschstämmigen, vor allem aus Georgien und Aserbaidschan, endete eine über 120-jährige Siedlungsgeschichte schmerzlich.
Not und religiöser Eifer hatten 1816/17 mehr als 1.200 Familien, überwiegend aus dem Schwäbischen, zur Auswanderung ins Russische Reich bewegt; etwa 500 Familien fanden zwischen Tiflis (Tbilisi) und Elizavetpol (Gäncä) eine neue Heimat. Ihre Verdienste als Weinbauern, Käser und Wagenbauer sowie im Schulwesen und in der Selbstverwaltung werden bis heute geschätzt. Als relativ kleine Siedlergruppe mit etwa 20.000 ehemaligen Kolonisten (1917) und als städtische Gemeinden in Tiflis, Gäncä und Baku waren sie Teil des deutschen Wirkens im Russischen Imperium und in der Sowjetunion und prägten die deutsch kaukasischen Beziehungen.
Die Geschichte dieser Gemeinschaften und das erhaltene kulturelle Erbe stehen im Mittelpunkt des Vortrags.
4. + 5. Dezember, Feier der Heiligen Barbara
Festgottesdienst zu Ehren der Heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute
Termin: Freitag, 4. Dezember 2026, 17.00 Uhr
Veranstaltungsort: St. Jakobskirche am Anger, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Festakt zu Ehren der Heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute
Termin: Samstag, 5. Dezember 2026, 16.00 Uhr
Veranstaltungsort: Adalbert-Stifter-Saal im Kulturforum des Sudetendeutschen Hauses, Hochstraße 8, 81669 München
In Kooperation mit: Kreisgruppe München der Landsmannschaft der Oberschlesier e. V.
Die Feier wird am 4. Dezember begangen, dem Gedenktag der Heiligen Barbara, der bereits seit dem 12. Jahrhundert zum Festtagskalender der katholischen Kirche gehört. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist der Barbaratag ein Bestandteil der oberschlesischen Festtradition und gilt als einer der bedeutendsten Feiertage im Jahreslauf. Von Oberschlesien breitete sich der Brauch auch in Mitteldeutschland aus.
Die Hl. Barbara steht für Glaubensfestigkeit und gilt als Schutzpatronin der Sterbenden, der Bergleute und der Geologen, der Architekten und der Bauarbeiter sowie der Feuerwehr.
Die besondere Verehrung, die der Heiligen in Oberschlesien zukommt, ergibt sich daraus, dass sie auch als Schutzpatronin der Region gilt.
Am Namenstag der Heiligen fanden in oberschlesischen Gebieten Kirchenfeiern, Grubendankfeste und Geselligkeiten statt. In mit Tannen grün geschmückten Zechenhäusern sowie in anderen Festräumlichkeiten wurden St.-Barbara-Altäre oder Barbarabilder aufgestellt. Heute ist es üblich, auch oberschlesische Wappen und Grubenlampen an einer repräsentativen Stelle zu platzieren.
Höhepunkt des Barbaratages war und ist ein Bergmannsumzug, der sich aus Musikern, Uniformierten und Nichtuniformierten zusammensetzt. Die Bergmänner tragen dabei ihre traditionellen Trachten, schwarze Bergmannskittel mit 29 goldenen Knöpfen – die Zahl symbolisiert das Lebensalter der Heiligen – und mit Federbüschen geschmückte Tschakos auf dem Kopf. Es war üblich, aufgeblühte Kirschenzweige seinen Nächsten mit Glückwünschen zu überreichen.
Nach 1945 zelebrieren Schlesier, die infolge von Flucht und Vertreibung nach Deutschland kamen, bei der Barbarafeier die Traditionen der schlesischen Heimat.
8. Dezember, Vortrag: Bauen zwischen den Kulturen. Deutsche Architekten in Georgien: Leopold Bielefeld (1838–1922), Otto Jakob Simonson (1829–1914) und David Grimm (1823–1898)
Termin: Dienstag, 8. Dezember 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Dr. Lilia Antipow-Altrichter (HDO)
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Im 19. Jahrhundert wurde Tiflis/Tbilissi zur architektonischen Schnittstelle von Europa und Kaukasus. Drei deutschstämmige Architekten – Leopold Bielefeld, Otto Jakob Simonson und David Grimm – wirkten hier als Vermittler westlicher Ausbildung, imperialer Repräsentation und lokaler Bautraditionen. Ihre Werke reichen von neugotischen Kirchen und großbürgerlichen Residenzen über repräsentative Staatsbauten bis zu neobyzantinischen Kathedralen.
Der Vortrag beleuchtet biografische Wege, künstlerische Praktiken und Stilpluralismus jener Epoche sowie die ambivalente Rolle der Architektur als Modernisierungs- und Kolonialisierungsinstrument. Anhand ausgewählter Projekte und archivalischer Quellen wird gezeigt, wie transnationale Netzwerke, technisches Know how und kulturelle Aneignung das Gesicht der kaukasischen Metropole prägten und bis heute Spuren hinterlassen.
