Programmreihen
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Aktuelle Programmreihen
Im Fokus: Deutsche in der Ukraine
Eine Übersicht über vergangene Veranstaltungen dieser Programmreihe finden Sie in der Broschüre dazu zum Download.
Seit 2023 setzt das HDO-Programm einen Fokus auf die Geschichte und Kultur der deutschen Minderheit in der Ukraine, die etwa 33.000 Menschen umfasst und seit dem 10. Jahrhundert nachweisbar ist. Besonders im 18. Jahrhundert wuchs sie durch deutsche Kolonisten unter Katharina II., die sich im Süden, Schwarzmeergebiet, auf der Krim sowie in Galizien, Bukowina und Karpaten niederließen. Sie prägten Wirtschaft, Bildung und Kultur der Ukraine. Im Ersten Weltkrieg wurden sie zwangsweise nach Sibirien umgesiedelt, kehrten aber nach 1917 zurück.
Die sowjetische Volkszählung von 1939 erfasste 392.458 Deutsche in der Ukraine. Zwischen 1937 und 1938 kam es zu Verfolgungen, im Zweiten Weltkrieg zu erneuten Zwangsumsiedlungen.
Nach 1991 fördert die Ukraine deutsche Kultur durch Schulen und Medien. Bayern unterstützt die Minderheit mit Projekten und erinnert an die historischen Verbindungen zu dieser Region, etwa durch Auswanderungen aus Bayern nach Transkarpatien im 18. Jahrhundert und Fluchtbewegungen nach Bayern im 20. Jahrhundert.
Ziel des HDO-Programmschwerpunkts ist es, die Geschichte der deutschen Minderheit in der Ukraine als transregionale Verflechtungsgeschichte zu verstehen. Wichtigster Partner ist der Rat der Deutschen in der Ukraine.
22. Januar 2026, Buchpräsentation und Podiumsgespräch: „Dichtung der Verdammten. Eine Anthologie ukrainischer Dichtung, ausgewählt und übertragen von Oswald Burghardt (Jurij Klen)“
Termin: Donnerstag, 22. Januar 2026, 19.00 Uhr
Referenten: Prof. Dr. Andrii Portnov, Dr. Katharina Biegger (beide Frankfurt an der Oder)
Moderation: Dr. Enikő Dácz (München)
Ort: Historisches Kolleg, Kaulbachstraße 15, 80539 München
In Kooperation mit: Historisches Kolleg, Deutsches Kulturforum östliches Europa, IKGS
Anmeldung erforderlich: per E-Mail unter veranstaltung(at)historischeskolleg.de
Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in der Ukraine eine literarische Epoche der Neoklassiker, zu der auch der Deutsch-Ukrainer Oswald Burghardt (Jurij Klen) gehörte. Gemeinsam mit anderen Dichtern wie Maksym Ryl‘s'kj und Mykola Zerov prägte er diese kurze Renaissance der ukrainischen Literatur in der frühen sowjetischen Nationalitätenpolitik. Ende der 1920er Jahre endete die Förderung multinationaler Sowjetliteraturen abrupt, und die ukrainische Kultur wurde Ziel staatlicher Repression. Viele Autoren, darunter auch die Neoklassiker, fielen Stalins Terror zum Opfer. Burghardt wollte 1947 in Deutschland seinen Weggefährten ein Denkmal setzen, was nicht gelang. Die Erstausgabe seiner geplanten Anthologie wurde dank Nataliia Kotenko-Vusatiuk und Andrii Portnov aus seinem Nachlass realisiert, ergänzt durch ein literarisches Portrait von Dmytro Čyževs’kyj.
27. März, Buchpräsentation: Bukowina. Eine europäische Vielvölkerregion (2026)
Termin: Freitag, 27. März 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Dr. Mariana Hausleitner (Berlin)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Die Bukowina, heute aufgeteilt zwischen Rumänien und der Ukraine, war seit dem späten 18. Jahrhundert ein österreichisches Kronland. In der multiethnisch geprägten Region entstand ein mindestens sechssprachiges „Europa im Kleinen“. Ihr plurikulturelles Erbe inspiriert bis heute Künstler, Schriftsteller und Filmemacher. Durch die Literatur von Karl Emil Franzos, Rose Ausländer, Paul Celan, Manfred Winkler ist die Landschaft und ihr geistiges Zentrum Czernowitz (ukr. Tscherniwzi, rum. Cernăuţi) weltweit bekannt geworden.
Seit Jahrzehnten forscht die Historikerin Mariana Hausleitner über die Bukowina. Hier zeichnet sie die historischen Grundzüge der Region unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und jüdischen Bevölkerung nach. Der Bogen wird über die Eingliederung ins Habsburgerreich, als Deutsche und Juden einwanderten, und die Zwischenkriegszeit, als die Region an Rumänien kam, bis zu den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs mit der Aufteilung zwischen der Sowjetunion und Rumänien gezogen. Die Umsiedlung der Deutschen sowie die Deportation und Ermordung Zehntausender Juden bilden dabei die tragischen Tiefpunkte.
23. April, Spotlight-Ausstellung: Die Schönbornfranken – Von Franken nach Transkarpatien
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ausstellungsdauer: 24. April bis 29. Mai 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr
In Kooperation mit: Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland
Eine Ausstellung der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland e.V., Bayreuth/Berlin
Die deutsche Minderheit in der Ukraine ist geografisch über das gesamte Land verteilt. Im westlichsten Teil, der Region Transkarpatien (ukrainisch: Zakarpattja), lebt sie heute vor allem um die Städte Uschgorod und Mukatschewo.
Transkarpatien ist seit Jahrhunderten von österreichischen, ungarischen, rumänischen, russischen, ukrainischen und deutschen Einflüssen geprägt und heute eine Region mit einem vielfältigen multikulturellen Erbe.
Bereits vor über 250 Jahren fanden Menschen aus deutschen Gebieten, insbesondere aus Mainfranken, auf Geheiß des Fürstbischofs Karl Friedrich von Schönborn, im heutigen Transkarpatien eine neue Heimat. Diese sogenannten „Schönbornfranken“ trugen zur kulturellen Vielfalt und wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei und sind ein lebendiges Zeugnis der historischen deutschen Präsenz in der Ukraine.
5. Mai, Vortrag: Deutsche Kulturspuren in der Ukraine – Galizien als europäischer Erinnerungsraum
Veranstaltungstermin: Dienstag, 5. Mai 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referentin: Professor Dr. Alla Paslawska (Lemberg/Lwiw)
Die Ukraine ist seit Jahrhunderten ein multiethnischer Begegnungsraum – und die deutsche Kultur hat darin deutliche Spuren hinterlassen. Obwohl Deutsche heute nur noch einen sehr kleinen Anteil der Bevölkerung ausmachen, prägten sie über Jahrhunderte Städtebau, Recht, Bildung, Literatur und Sprache. Der Vortrag beleuchtet die Geschichte deutscher Siedler seit dem Mittelalter, die Einführung des Magdeburger Rechts, das deutschsprachige Lwiw sowie die besondere Rolle Galiziens als kultureller Schnittstelle zwischen Ost- und Mitteleuropa.
Im Mittelpunkt stehen literarische Stimmen wie Leopold von Sacher-Masoch, Karl Emil Franzos und Josef Roth, deren Werke Galizien als vielsprachige Kulturlandschaft porträtieren. Ebenso wird der Einfluss des Deutschen auf das Ukrainische thematisiert – bis heute sind rund 800 Lehnwörter lebendig.
Der Vortrag zeichnet das Bild einer Region, in der unterschiedliche Ethnien und Konfessionen zusammenlebten – zwischen Toleranz, Konflikt und kultureller Blüte – und fragt, welche Bedeutung dieses gemeinsame Erbe heute für Europa hat.
12. Mai, Vortrag und Buchpräsentation: Askania Nowa – das Tierparadies in der Steppe
Veranstaltungstermin: Dienstag, 12. Mai 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referent: Stefan Schomann (Berlin/Peking)
Grußworte: Dr. Petra Loibl (Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene); Volodymyr Leysle (Vorsitzender des Rates der Deutschen der Ukraine)
Natalia Korinets (stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des Reservats Askania Nowa): Statement zur aktuellen Situation in Askania Nowa (Videobotschaft)
In Kooperation mit: Rat der Deutschen der Ukraine
Die Geschichte der Przewalskipferde stellt ein Paradebeispiel des Artenschutzes dar. Nur mit knapper Not überlebten diese ursprünglich am Rande der Gobi beheimateten Wildpferde in Gefangenschaft. In seinem Buch „Auf der Suche nach den wilden Pferden“ (2021) folgt Stefan Schomann ihren Spuren quer durch Eurasien, wobei die Ukraine einen der Hauptschauplätze bildet.
Askania Nova war eine Siedlungskolonie, die das Herzogtum Anhalt-Köthen im Hinterland der Krim aufbaute. Von 1828 an machten sich mehrere Trecks zu Fuß auf den Weg dorthin, wo sie auf andere schwarzmeerdeutsche Siedler trafen. Nach dem Krimkrieg wurden Vieh und Liegenschaften schließlich an die Familie Falz-Fein verkauft. Die Familie Falz-Fein entstammte den deutschen Kolonisten in der Ukraine und wurde vom russischen Zaren geadelt. Damals bildete diese Region den letzten Rückzugsraum des Tarpan, des osteuropäischen Wildpferds, das jedoch schließlich ausstarb. Um 1900 führte Friedrich Falz-Fein dort dann die ersten Przewalskipferde ein, damit ihnen ein ähnliches Schicksal erspart bleiben würde. Ein Pionier des Natur- und Artenschutzes, schuf er einen Wildpark inmitten der Steppe, der ökologisch wie auch biotechnologisch wegweisend wurde.
Vor dreißig Jahren konnten die Pferde schließlich wieder in ihrer Heimat ausgewildert werden. Christian Oswald, ein Ebersberger Geschäftsmann, erwarb sich dabei bleibende Verdienste für die Bewahrung der Art, nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung aus Askania Nova wie auch aus dem Tierpark Hellabrunn.
