Veranstaltungskalender
Programm April bis Juli 2026
Das komplette Programmheft für die Monate April bis Juli 2026 können Sie hier als PDF herunterladen.
Eintritt
Soweit nicht anders vermerkt ist der Eintritt zu den Veranstaltungen frei.
Anmeldung
Bei Veranstaltungen mit Anmeldung bitten wir um rechtzeitige Platzreservierung per E-Mail.
Auch bei Veranstaltungen ohne Anmeldung gilt: Einlass nur bis zur höchstzulässigen Personenzahl.
Fotos
Mit der Teilnahme an den Veranstaltungen erklären Sie sich damit einverstanden, dass Sie gegebenenfalls auf Aufnahmen zu sehen sind, die das Haus des Deutschen Ostens im Rahmen seiner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verwendet.
März
bis 17. April, Ausstellung: Steinzeugen. Fotografien mittelalterlicher Architektur zwischen Stettin, Danzig und Königsberg
Ausstellungsdauer: 27. Februar – 17. April 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Historische Bauwerke sind eindrucksvolle steinerne Zeugen der Vergangenheit. Die Ereignisse und Begebenheiten der zurückliegenden Jahrhunderte haben unterschiedlichste Spuren und Zeichen auf der materiellen Oberfläche der Baudenkmäler hinterlassen. Dies zeigt sich auch eindrucksvoll in der Landschaft der historischen Gebiete von Hinterpommern, Neumark, Ost- und Westpreußen (dem mittelalterlichen Deutschordensland).
Die Ausstellung des Kunsthistorikers Christofer Herrmann zeigt die Schönheit und Präsenz der Gemäuer vergangener Epochen aus verschiedenen Perspektiven.
19. März, Lesung: „Über allem der Gesang des Pirols“ (2025)
Termin: Donnerstag, 19. März 2026, 19.00 Uhr
Referent: Axel Lawaczek (Berlin)
Moderation: Dr. Lilia Antipow (HDO)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Volk Verlag
Ein brandenburgisches Gesindehaus im kleinen Dorf Friedenfelde bei Gerswalde – Axel Lawaczeck kann sein Glück kaum fassen, als er den Zuschlag für den Kauf erhält. Doch das einsturzgefährdete Gebäude, das vor Jahrhunderten neben dem ehemaligen Gutshaus Achim von Arnims errichtet wurde, muss erst aus seinem Dornröschenschlaf erweckt werden.
13 Jahre wird die Sanierung schließlich dauern. Immer wieder stößt der neue Eigentümer dabei auf Fundstücke aus der Vergangenheit, auf Zeugnisse der Menschen, die hier einst lebten. Seine Spurensuche führt ihn durch Zeiten und Räume – von der Gegenwart bis in den Barock, von Pommern und Ostpreußen bis nach Bessarabien und in die Karibik. Ein Mosaik aus Schicksalen entsteht, vom Leben selbst in die Schönheit einer einzigartigen Landschaft gelegt, in der sich deutsche Geschichte und uckermärkische Überlieferung spiegeln wie die Sonne in einem stillen See.
26. März, Ausstellungseröffnung: Landschaft der Liebe. Motive aus der Graphic Novel „Sudetenlove“
Ausstellungsdauer: 27. März – 29. Mai 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Tschechisches Zentrum München, Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein
Termin: Donnerstag, 26. März 2026, 18.00 Uhr
Referentin: Dr. Serafine Lindemann (Münsing)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Ende der 1930er Jahre: Das Sudetenland gleicht einem Pulverfass. Angefacht aus Deutschland, können die nationalen Spannungen in den tschechoslowakischen Grenzgebieten jeden Moment zu einer Eskalation mit ungewissem Ausgang führen. Da lernen sich Hedwig, ein deutsches Mädchen, und Fritz, ein Junge aus einer deutsch-tschechischen Familie, beim Skifahren kennen und verlieben sich schnell ineinander. Hedwigs Vater schickt sie jedoch nach Belgien zu einer Tante. Fritz sieht keine andere Wahl: Er wird ihr folgen – auf dem Fahrrad…
Filip Raifs Graphic Novel erzählt – in dezent gedämpften Farben und inspiriert von wahren Begebenheiten – die Geschichte einer ersten großen Liebe sowie auch einer Region, deren Schicksal durch die zahlreichen Wendungen des 20. Jahrhunderts bestimmt wurde.
Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Landschaft, die die Liebenden umgibt. Alles wird von Raif feinfühlig eingefangen – ganz gleich, ob es sich um natürliche, städtische oder seelische Räume handelt. Oft geschieht dies so eindringlich, dass die Landschaft aufhört, eine bloße Kulisse darzustellen und stattdessen in den Vordergrund tritt.
27. März, Infoveranstaltung „Tag der Münchner Osteuropastudien: Geschichte des Zweiten Weltkriegs bzw. des Holocaust aus ost-, ostmittel- bzw. südosteuropäischer Perspektive“ - Workshop Rettungswiderstand für verfolgte Juden in Rumänien, Nordsiebenbürgen und Transnistrien
Termin: Freitag, 27. März 2026, 10.30 – 16.30 Uhr
Referentin: Dr. Mariana Hausleitner (Berlin)
Ort: Hauptgebäude der LMU (Senatssaal und Seminarräume), Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
In Kooperation mit: Abteilung für Geschichte Osteuropas und Südosteuropas LMU München, ALP Dillingen
Bereits zum zweiten Mal veranstalten die Abteilung für Geschichte Osteuropas und Südosteuropas der Ludwigs-Maximilians-Universität und die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen den Tag der Münchner Osteuropastudien, bei dem verschiedene Münchner Institutionen mit Bezug zum östlichen Europa Workshops zu einem Überthema anbieten. Die Zielgruppe der Veranstaltung sind Lehrkräfte und Studierende aber auch die interessierte Öffentlichkeit.
2026 lautet das Oberthema: Geschichte des Zweiten Weltkriegs bzw. des Holocaust aus ost-, ostmittel- bzw. südosteuropäischer Perspektive. Das HDO beteiligt sich mit einem Workshop von Dr. Mariana Hausleitner zum Thema „Rettungswiderstand für verfolgte Juden in Rumänien, Nordsiebenbürgen und Transnistrien“ am Programm. Sie ist Verfasserin des gleichnamigen Buches, das 2020 erschienen ist.
Alle Informationen zum gesamten Programm sowie zu den Anmeldemodalitäten erfahren Sie zeitnah auf der Webseite des HDO sowie der weiteren beteiligten Institutionen.
27. März, Buchpräsentation: Bukowina. Eine europäische Vielvölkerregion (2026)
Termin: Freitag, 27. März 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Dr. Mariana Hausleitner (Berlin)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Die Bukowina, heute aufgeteilt zwischen Rumänien und der Ukraine, war seit dem späten 18. Jahrhundert ein österreichisches Kronland. In der multiethnisch geprägten Region entstand ein mindestens sechssprachiges „Europa im Kleinen“. Ihr plurikulturelles Erbe inspiriert bis heute Künstler, Schriftsteller und Filmemacher. Durch die Literatur von Karl Emil Franzos, Rose Ausländer, Paul Celan, Manfred Winkler ist die Landschaft und ihr geistiges Zentrum Czernowitz (ukr. Tscherniwzi, rum. Cernăuţi) weltweit bekannt geworden.
Seit Jahrzehnten forscht die Historikerin Mariana Hausleitner über die Bukowina. Hier zeichnet sie die historischen Grundzüge der Region unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und jüdischen Bevölkerung nach. Der Bogen wird über die Eingliederung ins Habsburgerreich, als Deutsche und Juden einwanderten, und die Zwischenkriegszeit, als die Region an Rumänien kam, bis zu den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs mit der Aufteilung zwischen der Sowjetunion und Rumänien gezogen. Die Umsiedlung der Deutschen sowie die Deportation und Ermordung Zehntausender Juden bilden dabei die tragischen Tiefpunkte.
April
7. April, Workshop: Ostertraditionen der Wolgadeutschen
Veranstaltungstermin: Dienstag, 7. April 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Einführung: Nikita Heidt (Direktor von Riwwel gUG, Berlin)
Leiter des Workshops: Jegor Lopatschow M.A. (München)
In Kooperation mit: Riwwel gUG, Berlin
In diesem Workshop für Jung und Alt werden die österlichen Ritual- und Alltagspraktiken der Wolgadeutschen aus ethnografisch-geschichtlicher Perspektive vorgestellt. Die Teilnehmenden werden in die Bräuche rund um die Vorbereitungen in der Karwoche (Stille Woche) eingeführt – vom Aschermittwoch über den Grünen Donnerstag bis zum Karfreitag (Stillen Freitag). Neben historischen Einordnungen können Sie kulinarische Traditionen entdecken, etwa Hühnernudelsuppe, süße Füllsel und gebackene Osternhäschen. Im praktischen Teil bieten wir performative Übungen zur Überlieferung an: Probieren Sie Spiele aus dem Wolgagebiet wie Eierschieben und die Eierschuhwelle und erfahren Sie mehr über ihre soziale Bedeutung.
Bereits um 17.00 Uhr wird der Direktor der von Riwwel gUG, Nikita Heidt, im Rahmen einer Informationsveranstaltung seine Organisation vorstellen.
14. April, Buchpräsentation: „Alexander Pfohl. Künstler, Designer, Lehrer, Persönlichkeit“ (2025)
Veranstaltungstermin: Dienstag, 14. April 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referentin: Angelika Krombach (Bonn)
Alexander Pfohl (1894–1953) gehört zu den bedeutendsten Glasdesigner seiner Zeit. In der böhmischen Glastradition tief verwurzelt, wurde er in Wien bei Koloman Moser und Michael Powolny ausgebildet. Pfohls Schaffen reicht vom kunstvollen Art-déco-Glas bis zu hyperrealistischen Landschaftsbildern und einer prägenden Lehrtätigkeit in Haida/Nový Bor (Böhmen/Tschechien) und Hadamar.
Die Publikation seiner Enkelin, Angelika Krombach, basiert auf akribischer Vorarbeit zur Retrospektive im Schloss Hadamar und vereint zahlreiche Fotografien, Skizzen, Aquarelle, Archivdokumente und Familienbilder. Sie zeichnet Pfohl als vielseitigen Entwerfer, der Form, Technik und Gestaltungsanspruch meisterhaft vereinte – von Emaille-Brillantglasur bis zu serienreifem Gebrauchsglas. Angelika Krombach hat Quellen zusammengetragen, die das verstreute Wissen bündelten und zu einem Standardwerk verdichten.
16. April, Podiumsgespräch: Von Sprechblasen und Zeichenzählen. Katharina Hinderer im Gespräch und als gläserne Übersetzerin
Veranstaltungstermin: Donnerstag, 16. April 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Literaturhaus München, Salvatorplatz 1, 80333 München
Moderation: Dr. Frances Jackson (München)
Eintritt: 12,- € / 9,- € (ermäßigt und für MÜF-Mitglieder), Eintrittskarten sind beim Literaturhaus München erhältlich
In Kooperation mit: Tschechisches Zentrum München, Münchner Übersetzer-Forum, Kulturreferat für die böhmischen Länder, Stiftung Literaturhaus
Die internationale Comicszene boomt. Immer mehr Graphic Novels werden ins Deutsche übertragen. Das Interesse der Lesenden gilt schon lange nicht mehr nur dem angelsächsischen und franco-belgischen Raum. Doch wie unterscheidet sich das Übersetzen grafischer Literatur von dem der Belletristik? Wie geht man als Wortschmied vor, wenn die Text-Bild-Beziehung gerade so wichtig ist und der Platz aber oft so begrenzt? Katharina Hinderer, die u. a. Filip Raifs „Sudetenlove“ (Helvetiq, 2026) aus dem Tschechischen übersetzt hat, gibt einen unmittelbaren Einblick in ihre Arbeit.
23. April, Spotlight-Ausstellung: Die Schönbornfranken – Von Franken nach Transkarpatien
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ausstellungsdauer: 24. April bis 29. Mai 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr
In Kooperation mit: Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland<
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 23. April 2026, 18.00 Uhr
Grußworte: Hartmut Koschyk (Bayreuth), Professor Dr. Andreas Otto Weber (HDO)
Einführung: Dr. Rudolf Distler (Eggolsheim)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle@hdo.bayern.de
Eine Ausstellung der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland e.V., Bayreuth/Berlin
Die deutsche Minderheit in der Ukraine ist geografisch über das gesamte Land verteilt. Im westlichsten Teil, der Region Transkarpatien (ukrainisch: Zakarpattja), lebt sie heute vor allem um die Städte Uschgorod und Mukatschewo.
Transkarpatien ist seit Jahrhunderten von österreichischen, ungarischen, rumänischen, russischen, ukrainischen und deutschen Einflüssen geprägt und heute eine Region mit einem vielfältigen multikulturellen Erbe.
Bereits vor über 250 Jahren fanden Menschen aus deutschen Gebieten, insbesondere aus Mainfranken, auf Geheiß des Fürstbischofs Karl Friedrich von Schönborn, im heutigen Transkarpatien eine neue Heimat. Diese sogenann
ten „Schönbornfranken“ trugen zur kulturellen Vielfalt und wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei und sind ein lebendiges Zeugnis der historischen deutschen Präsenz in der Ukraine.
28. April, Lesung: „Ein Altar jenseits der Wälder“ (2024) und unveröffentlichte Texte
Veranstaltungstermin: Dienstag, 28. April 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referent: Cornelius Scherg (Tübingen)
In Kooperation mit: Künstlergilde Esslingen
„Meister von Mediasch“ wird er in der Fachwelt genannt, der großartige Künstler, der den Altar der Mediascher Margarethenkirche geschaffen hat. Seit über hundert Jahren versuchen Kunsthistoriker, Daten und Informationen über den Schöpfer des Altars herauszufinden. Vergeblich. Ein paar begründete Thesen gibt es, aber Genaues weiß man nicht. Man nimmt an, der Künstler hatte siebenbürgische Wurzeln und sein Handwerk an der Malschule des Wiener Schottenstifts erlernt. Auch geht man davon aus, dass er als Vorlage für die Altartafeln Kupferstiche von Israhel von Meckenem genutzt hat. Alles andere bleibt im Dunkel der (Kunst)Geschichte verborgen.
Aber was Wissenschaft nicht vermag, das darf und kann Literatur: den Künstler aus dem Dunkel hervorholen, ihm in einem Roman Leben einhauchen.
Und so entwirft der Autor Cornelius Scherg in seinem Roman „Ein Altar jenseits der Wälder“ die Biographie des „Meisters von Mediasch“, so wie diese sich hätte entfalten können. Scherg gibt ihm den Namen Zacharias Frank.
Beim Lesen tauchen wir ein in die Zeit lange vor der Reformation, in das Ende des 15. Jahrhunderts. Die Haupthandlung beginnt in der Malschule in Wien und erzählt in chronologischer Folge Leben und Wirken des aus Mediasch stammenden Protagonisten mit seinen Schwierigkeiten und Erfolgen: von der Auftragserteilung durch den ungarischen Königsrichter von Mediasch bis zur feierlichen Einweihung und Segnung des vollendeten Altars. (Klaus Servatius, Heimatgemeinschaft Mediasch e.V.)
Mai
5. Mai, Vortrag: Deutsche Kulturspuren in der Ukraine – Galizien als europäischer Erinnerungsraum
Veranstaltungstermin: Dienstag, 5. Mai 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referentin: Professor Dr. Alla Paslawska (Lemberg/Lwiw)
Die Ukraine ist seit Jahrhunderten ein multiethnischer Begegnungsraum – und die deutsche Kultur hat darin deutliche Spuren hinterlassen. Obwohl Deutsche heute nur noch einen sehr kleinen Anteil der Bevölkerung ausmachen, prägten sie über Jahrhunderte Städtebau, Recht, Bildung, Literatur und Sprache. Der Vortrag beleuchtet die Geschichte deutscher Siedler seit dem Mittelalter, die Einführung des Magdeburger Rechts, das deutschsprachige Lwiw sowie die besondere Rolle Galiziens als kultureller Schnittstelle zwischen Ost- und Mitteleuropa.
Im Mittelpunkt stehen literarische Stimmen wie Leopold von Sacher-Masoch, Karl Emil Franzos und Josef Roth, deren Werke Galizien als vielsprachige Kulturlandschaft porträtieren. Ebenso wird der Einfluss des Deutschen auf das Ukrainische thematisiert – bis heute sind rund 800 Lehnwörter lebendig.
Der Vortrag zeichnet das Bild einer Region, in der unterschiedliche Ethnien und Konfessionen zusammenlebten – zwischen Toleranz, Konflikt und kultureller Blüte – und fragt, welche Bedeutung dieses gemeinsame Erbe heute für Europa hat.
7. Mai, Vortrag: Die Entwurzelten – Lemken in Galizien und in der Fremde
Veranstaltungstermin: Donnerstag, 7. Mai 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referentin: Professor Dr. Beata Halicka (Frankfurt an der Oder)
Das private Museum der lemkischen Kultur in Zyndranowa, am Rand Südostpolens gelegen, ist für viele Besucher ein Ort der Erinnerung und Identitätssuche. Vor hundert Jahren lebten hier rund tausend Menschen – Lemken, Ukrainer, Juden und Roma. Heute zählt das Dorf nur noch 140 Einwohner; nur zwei Familien bezeichnen sich als lemkisch. Wo einst eine lebendige Gemeinschaft mit einer prachtvollen griechisch-katholischen Kirche existierte, breiten sich heute Wald und Stille aus. Der Vortrag fragt nach den historischen Ursachen dieser Entvölkerung, nach Krieg, Vertreibung und Zwangsumsiedlung – und nach dem Schicksal einer Gemeinschaft, die entwurzelt wurde und dennoch ihre Spuren hinterließ.
12. Mai, Vortrag und Buchpräsentation: Askania Nowa – das Tierparadies in der Steppe
Veranstaltungstermin: Dienstag, 12. Mai 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referent: Stefan Schomann (Berlin/Peking)
Grußwort: Dr. Petra Loibl (Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene); Volodymyr Leysle (Vorsitzender des Rates der Deutschen der Ukraine)
In Kooperation mit: Rat der Deutschen der Ukraine
Die Geschichte der Przewalskipferde stellt ein Paradebeispiel des Artenschutzes dar. Nur mit knapper Not überlebten diese ursprünglich am Rande der Gobi beheimateten Wildpferde in Gefangenschaft. In seinem Buch „Auf der Suche nach den wilden Pferden“ (2021) folgt Stefan Schomann ihren Spuren quer durch Eurasien, wobei die Ukraine einen der Hauptschauplätze bildet.
Askania Nova war eine Siedlungskolonie, die das Herzogtum Anhalt-Köthen im Hinterland der Krim aufbaute. Von 1828 an machten sich mehrere Trecks zu Fuß auf den Weg dorthin, wo sie auf andere schwarzmeerdeutsche Siedler trafen. Nach dem Krimkrieg wurden Vieh und Liegenschaften schließlich an die Familie Falz-Fein verkauft. Die Familie Falz-Fein entstammte den deutschen Kolonisten in der Ukraine und wurde vom russischen Zaren geadelt. Damals bildete diese Region den letzten Rückzugsraum des Tarpan, des osteuropäischen Wildpferds, das jedoch schließlich ausstarb. Um 1900 führte Friedrich Falz-Fein dort dann die ersten Przewalskipferde ein, damit ihnen ein ähnliches Schicksal erspart bleiben würde. Ein Pionier des Natur- und Artenschutzes, schuf er einen Wildpark inmitten der Steppe, der ökologisch wie auch biotechnologisch wegweisend wurde.
Vor dreißig Jahren konnten die Pferde schließlich wieder in ihrer Heimat ausgewildert werden. Christian Oswald, ein Ebersberger Geschäftsmann, erwarb sich dabei bleibende Verdienste für die Bewahrung der Art, nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung aus Askania Nova wie auch aus dem Tierpark Hellabrunn.
Juni
9. Juni, Filmsoirée: „Well travelled: Orient Express“ (2025)
Veranstaltungstermin: Dienstag, 9. Juni 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referent: Matthias Well (Ascholding)
In Kooperation mit: Kulturwerk Banater Schwaben, Haus der Donauschwaben in Haar
Matthias Well, klassischer Geiger und leidenschaftlicher Volksmusiker, trifft in seinem Projekt „Well Travelled“ Musiker und Musikerinnen aus aller Welt, um in ihre Volksmusik und Kultur einzutauchen. Diese Begegnungen dokumentiert er in Filmen, die u.a. auf YouTube veröffentlicht werden.
Zum Film über die Donauschwaben, den wir an diesem Abend zeigen, sagt er selbst:
„In diesem Film begleite ich die Spuren der Donau-Schwaben entlang der legendären Orientexpress-Route – mit der Geige im Gepäck. Auf meiner Reise entdecke ich die faszinierende Vielfalt europäischer Musik, die weit über Landesgrenzen hinausgeht. Besonders berührt hat mich ein melancholisches Lied über die Donau, das mir in Pécs begegnete und mich während der gesamten Reise begleitet.
Ich treffe Musikerinnen und Musiker, erlebe die choreografisch anspruchsvollen Donau-Schwaben-Tänze in Rumänien, Blaskapellen und Salonorchester in Serbien und entdecke die charakteristische Mischung aus Walzern, Polkas und Blasmusik, die den typischen Sound dieser Volksgruppe prägt. Zugleich offenbart sich die Nähe zu Roma- und Balkanmusik mit ihren ungeraden Rhythmen und virtuosen Melodien.
Musik wird so zu einem Fenster in die Vergangenheit und gleichzeitig zu einer Brücke in die Zukunft. Sie verbindet Menschen, erzählt Geschichten und hält Traditionen lebendig. Für mich persönlich hat diese Reise gezeigt, wie universell Musik ist und wie sie Menschen unabhängig von Herkunft und Sprache zusammenbringt – ein Walzer entlang der Donau, der Kultur und Geschichte gleichermaßen schmecken lässt.“
16. Juni, Vortrag: Zerbrochene Nachbarschaften. Holleschowitz 1939–1945
Veranstaltungstermin: Dienstag, 16. Juni 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referent: Dr. Filip Bláha (Kladno/Kladen, Böhmen/Tschechien)
In Kooperation mit: Adalbert-Stifter-Verein – Kulturinstitut für die böhmischen Länder
Der Vortrag beleuchtet die dramatischen Umbrüche im Prager Stadtteil Holešovice zwischen 1939 und 1945. Anhand konkreter Orte werden individuelle Lebensgeschichten sichtbar: jüdische Familien vor ihrer Deportation, deutschsprachige Bewohner zwischen Anpassung und Karriere im NS-System sowie Deutsche, die im Mai 1945 Verhaftung, Internierung und Vertreibung erlebten.
Im Mittelpunkt stehen Biographien wie jene der Familie Popper oder der Schriftstellerinnen Olga Barényi und Olly Komenda-Soentgerath. Ihre Erfahrungen zeigen, wie politische Radikalisierung, Besatzung, Gewalt und Vergeltung in einem urbanen Raum aufeinandertreffen. Der Vortrag verbindet Mikrogeschichte mit Stadtgeschichte und macht deutlich, wie eng Täter-, Opfer- und Mitläufergeschichten in einem einzigen Viertel miteinander verflochten waren.
23. Juni, Stadtrundgang: Die Schwabinger Bohème aus dem Osten
Veranstaltungstermine: Dienstag, 23. Juni 2026, 14.00 Uhr + Dienstag, 21. Juli 2026, 10.00 Uhr
Treffpunkt: U-Bahn-Haltestelle Giselastr., vor dem „Walking Man“
Dauer: ca. 1,5 bis 2 St.
Referentin: Patricia Erkenberg (HDO)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Um 1900 waren die Münchner Stadtviertel Schwabing und Maxvorstadt das Zentrum einer künstlerisch-intellektuellen Bewegung. Hier siedelten sich junge Schriftsteller und Dichter, aber auch bildende Künstler an und trafen sich in den zahlreichen Cafés und Gasthöfen. Die wenigsten von ihnen waren in München oder in Bayern geboren; vielmehr stammten sie aus dem gesamten damaligen deutschsprachigen Raum.
Im Stadtrundgang werden einige Vertreter der Schwabinger Bohème mit Wurzeln im östlichen Europa und ihr Einfluss auf das Gesamtphänomen vorgestellt. Dazu gehört z.B. Max Halbe (geb. 1865 im westpreußischen Güttland in der Nähe von Danzig), der zu den meistgespielten Dramatikern seiner Zeit gehörte und ab 1895 in München wirkte. Auch sein Freund Lovis Corinth (geb. 1858 im ostpreußischen Tapiau) gehörte in den 1880er und 90er Jahren zur Schwabinger Bohème. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Impressionismus. Beide waren Teil der Münchner Literatengruppe „Die Nebenregierung“, der auch Graf Eduard von Keyserling (geb. 1855 in Kurland) angehörte. Während seine Romane vor allem in seiner baltischen Heimat angesiedelt sind, lebte er selbst von 1894 bis zu seinem Tod in Schwabing.
Nach dem Rundgang besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Besuch eines Cafés (auf eigene Kosten). Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie daran teilnehmen möchten.
23. Juni, Podiumsgespräch: Alexander Schmorell. Zweitzeugengespräch über Migration, Widerstand und Erinnern
Veranstaltungstermine: Dienstag, 23. Juni 2026, 19.00 Uhr
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Kulturreferent für die Russlanddeutschen
Edwin Warkentin (Kulturreferent für Russlanddeutsche) spricht mit Markus Schmorell, dem Neffen des Widerstandskämpfers Alexander Schmorell, Mitglied der Weiße Rose und 1943 von den Nationalsozialisten ermordet.
Markus Schmorell bezeichnet sich als „Zweitzeugen“ – geboren nach dem Tod seines Onkels, trägt er dessen Geschichte aus familiärer Erinnerung weiter. Im Gespräch geht es um Alexander Schmorells Rolle im Widerstand ebenso wie um die russlanddeutschen Wurzeln seiner Familie: ostpreußische Herkunft, Aufstieg und Leben im russischen Orenburg, Flucht nach der Revolution und Ankunft in München als Teil der sogenannten russischen Emigration.
Wir fragen nach Schmorells Identität zwischen den Kulturen – und nach seiner Stellung in der Erinnerungskultur. Warum steht er oft im Schatten der Geschwister Scholl? Welche Bedeutung hat seine Biografie heute in einer von Migration geprägten Gesellschaft?
Auch die Ambivalenz des Gedenkens wird zur Sprache kommen – zwischen transnationaler und interkonfessioneller Würdigung, Deutung und möglicher Vereinnahmung – sowie die Frage, was Alexander Schmorell wohl zur Gegenwart sagen würde.
Ein Abend über Widerstand, Herkunft und die Verantwortung der Erinnerung.
Juli
7. Juli, Lesung: Literatursalon im HDO – mit Elli Unruh („Fische im Trüben“, 2025) und Max Schatz („Sonnen und Kometen“, 2025)
Veranstaltungstermin: Dienstag, 7. Juli 2026, 19.00 Uhr
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referenten: Elli Unruh (Stuttgart), Max Schatz (Nürnberg)
Moderation: Artur Rosenstern (Nürnberg), Patricia Erkenberg (HDO)
In Kooperation mit: BKDR, Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO)
Elli Unruh erzählt in ihrem Roman „Fische im Trüben“ die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie, die bis Ende der 1980er Jahre im Süden Kasachstans lebte. Sie taucht ein in die Zeit ihrer Vorfahren, Großeltern und Eltern. Einprägsam und lebendig schildert sie das Leben von Menschen, die durch den Lauf der Geschichte und ständig wechselnde Lebensumstände und -orte nicht mehr aus noch ein wissen, aber in Traditionen, Religion und eigener Sprache Halt finden. Geschrieben in einer einfachen, poetischen Sprache, die angereichert wird durch das Deutsch, das die Mennoniten aus Westpreußen nach Russland mitgebracht hatten – das Plautdietsch, das bis heute gesprochen wird. Das alles vor dem Hintergrund einer unbekannten, wunderschönen, fruchtbaren Landschaft mit riesigen Apfelplantagen, wilden Flüssen und weiten Steppen.
Die im Max Schatz´ Buch „Sonnen und Kometen“ versammelten Erzählungen und Kurzgeschichten geben Einblicke sowohl in das moderne Leben von Menschen mit russlanddeutschem Hintergrund als auch in die tragische Vergangenheit der Deutschen aus den Ländern der ehemaligen UdSSR. Vor allem sind es aber Geschichten über Gewinner und Verlierer, ob in Liebesbeziehungen oder in der Arbeitswelt, ebenso voller Romantik wie Melancholie, aber auch Satire.
Das Format „Literatursalon“ möchte vor allem jungen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit bieten, ihre Neuerscheinung aus der Sparte der sogenannten „russlanddeutschen“ Literatur vorzustellen und darüber vor dem Publikum ins Gespräch zu kommen.
21. Juli, Stadtrundgang: Die Schwabinger Bohème aus dem Osten
Veranstaltungstermine: Dienstag, 21. Juli 2026, 10.00 Uhr
Treffpunkt: U-Bahn-Haltestelle Giselastr., vor dem „Walking Man“
Dauer: ca. 1,5 bis 2 St.
Referentin: Patricia Erkenberg (HDO)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Um 1900 waren die Münchner Stadtviertel Schwabing und Maxvorstadt das Zentrum einer künstlerisch-intellektuellen Bewegung. Hier siedelten sich junge Schriftsteller und Dichter, aber auch bildende Künstler an und trafen sich in den zahlreichen Cafés und Gasthöfen. Die wenigsten von ihnen waren in München oder in Bayern geboren; vielmehr stammten sie aus dem gesamten damaligen deutschsprachigen Raum.
Im Stadtrundgang werden einige Vertreter der Schwabinger Bohème mit Wurzeln im östlichen Europa und ihr Einfluss auf das Gesamtphänomen vorgestellt. Dazu gehört z.B. Max Halbe (geb. 1865 im westpreußischen Güttland in der Nähe von Danzig), der zu den meistgespielten Dramatikern seiner Zeit gehörte und ab 1895 in München wirkte. Auch sein Freund Lovis Corinth (geb. 1858 im ostpreußischen Tapiau) gehörte in den 1880er und 90er Jahren zur Schwabinger Bohème. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Impressionismus. Beide waren Teil der Münchner Literatengruppe „Die Nebenregierung“, der auch Graf Eduard von Keyserling (geb. 1855 in Kurland) angehörte. Während seine Romane vor allem in seiner baltischen Heimat angesiedelt sind, lebte er selbst von 1894 bis zu seinem Tod in Schwabing.
Nach dem Rundgang besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Besuch eines Cafés (auf eigene Kosten). Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie daran teilnehmen möchten.
23. Juli, Ausstellungseröffnung: Einfach schön? Politisierung deutscher Volkskultur aus dem östlichen Europa
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 23. Juli 2026, 18.00 Uhr
Grußworte: Professor Dr. Andreas Otto Weber (HDO)
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Ausstellungsdauer: 24. Juli bis 17. Oktober 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag (werktags) 10.00 bis 20.00 Uhr, im August bis 18.00 Uhr
Mit Unterstützung: Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen des Landes Baden-Württemberg
In Kooperation mit: Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas (IKDE), Freiburg und Heimatpflegerin der Sudetendeutschen
Eine Ausstellung des Instituts für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas (IKDE), Freiburg
Kulturellen Praktiken wie dem „Volkstanz“ oder Objektivationen wie der Tracht wurde und wird bis heute ein ästhetischer Wert zugesprochen. Sie scheinen einfach schön zu sein – gerade in ihrem vermeintlich traditionellen und kaum durch die Moderne berührten Charakter. „Volkskultur“ als schön wahrzunehmen, ist Ergebnis eines durch moderne Sehgewohnheiten und Ideologisierungen geprägten Blicks. Zugleich erlangten „volkskulturelle“ Ästhetiken erst durch ihren Gebrauch in modernen Kontexten Relevanz, Popularität und Bedeutung. Die ästhetische Anmutung von als „Volkskultur“ verstandenen Elementen spielt bis heute eine wichtige Rolle nicht nur in der politischen Kommunikation. In ihrer vermeintlichen Einfachheit und ästhetischen Anmutung erfährt „Volkskultur“ eine komplexe und vielschichtige Politisierung.
Dies zeigen beispielhaft die Exponate der Ausstellung – und zwar mit einem Fokus auf der Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung im bzw. aus dem östlichen Europa. In zeitlicher Hinsicht nimmt die Ausstellung die Zeit zwischen den 1920er- und den 1960er-Jahren in den Blick. Schlaglichtartig wird dabei anhand von Materialien aus dem Archiv des IKDE der unterschiedliche politische Gebrauchswert vermeintlich „einfacher“ Ästhetik sowie deren Kontinuität über das Jahr 1945 hinaus herausgearbeitet.
30. Juli, Vortrag: Zwischen Heimat und Herrschaft – Trachtenkulturen der Deutschen im östlichen Europa, 1918–1945
Veranstaltungstermin: Donnerstag, 30. Juli 2026, 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Referentin: Dr. Lilia Antipow (HDO)
Seit dem 19. Jahrhundert setzte ein Prozess der Ethnisierung von Trachten ein, der sich in den 1920er Jahren und später unter der NS‑Herrschaft verstärkte. Trachten wurden nicht länger nur als regionale oder dörfliche Kleidung wahrgenommen, sondern dienten zunehmend als sichtbares Bekenntnis zu „Volk“ und „Nation“ – als sogenanntes „Gesinnungskleid“. In den 1930er Jahren war Trachtenkult ein elementarer Bestandteil nationalistischen Selbstverständnisses bei deutschen Minderheiten in Osteuropa.
Die Praktiken der Trachtenpolitik variierten regional: In der Wischauer Sprachinsel übernahmen völkische und NS‑Akteure überlieferte Bauerntrachten, luden sie jedoch mit neuen, politischen Bedeutungen auf und instrumentaliserten sie für ihre Ziele. Bei den Donauschwaben existierte ein Spannungsverhältnis von Erhalt lokaler Trachtenvielfalt und gezielter Erneuerung hin zu „Gemeinschaftstrachten“ und ab 1935 zur angestrebten „deutschen Einheitstracht“. In Ostpreußen dagegen wurde bewusst eine neue, künstliche Tracht – das „Ostpreußenkleid“ – geschaffen, um ein einheitliches regionales Gruppenkleid zu etablieren, obwohl eine solche traditionelle Tracht kaum je existiert hatte.
Die öffentliche Präsentation der Trachten reichte von traditionellen Kirchweihen und Hochzeiten über Schwabenbälle bis zu groß inszenierten NS-Propagandaveranstaltungen wie dem „Grenzlandtreffen“ der Deutschen „aus dem Reich“ und aus Mittel- und Südeuropa in Theben/Devín zu Pfingsten 1939. Diese Vielfalt zeigt eine Dualität: Alte, lokal verankerte Funktionen der Tracht bestanden zeitgleich mit neuen, politisch aufgeladenen Repräsentationsformen. Durch politische und öffentliche Nutzung wurden Trachten außerdem aus der Peripherie in das Zentrum kultureller Aufmerksamkeit geholt und als Phänomen der Moderne etabliert. Die Untersuchung dieser Prozesse verdeutlicht, wie Kleidung zu einem wirksamen Instrument nationalistischer Identitätsbildung und kultureller Politik wurde.
