Programmreihen
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Aktuelle Programmreihen
80 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Flucht und Vertreibung im Fokus
Friederike Nießner vor der Vertreibung aus ihrer Heimatstadt Brünn / Brno.
Zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Jahr 2025 erinnert eine HDO-Veranstaltungsreihe an die dramatischen Ereignisse zwischen 1944 und 1947, die das Schicksal vieler Deutscher im östlichen Europa prägten. Das Flucht- und Vertreibungsgeschehen begann mit der organisierten Flucht der Deutschen aus der Ukraine („Administrativumsiedlung“, Winter 1941–März 1944), dem Slowakischen Nationalaufstand (August bis Oktober 1944), der Deportation der Donauschwaben in die Sowjetunion im Dezember 1944 sowie mit der Massenflucht vor der Roten Armee in den ersten Monaten des Jahres 1945.
Mit der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Krieg, doch die Vertreibungen setzten sich fort: Im Mai 1945 wurden die sogenannten „wilden Vertreibungen“ eingeleitet, gefolgt vom Beschluss des Potsdamer Abkommens am 2. August 1945, das die Überführung der deutschen Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn nach Deutschland regelte. Ab November 1945 begann die systematische Vertreibung in Polen, im Dezember 1945 folgte die „Aussiedlungsverordnung“ in Ungarn, die 1946 in großem Umfang umgesetzt wurde. Im März 1946 wurden die Beneš-Dekrete im tschechoslowakischen Parlament genehmigt, und zwischen 1946 und 1947 erfolgte die Vertreibung der Sudetendeutschen.
Der Fokus der Programmreihe liegt auf den deutschen Siedlungsgebieten im östlichen Europa. Zentrale Themen sind die Opfer von Flucht und Vertreibung, die Erinnerungskultur sowie heutige Verbindungen zu den Vertreibungsgebieten.
15. Dezember 2025, Buchpräsentation: „Wir Ostpreußen. Eine ganz gewöhnliche Familiengeschichte“ (2025)
Termin: Montag, 15. Dezember 2025, 19.00 Uhr
Referent: Jochen Buchsteiner (Berlin)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Porträt einer vergessenen Provinz
„Es war der 26. Januar 1945. Der Krieg in Europa sollte noch mehr als drei Monate toben, aber für meine Großmutter ging, wie für die meisten Ostpreußen, die alte Welt schon jetzt zu Ende. Sie wollte nicht warten, bis die russischen Soldaten, die durch jahrelange deutsche Verwüstungen rachsüchtig gestimmt waren, in die Heimat einmarschierten und die Herrschaft übernahmen.“
14 Millionen Flüchtlinge: Zwei Generationen nach Marion Gräfin Dönhoff liefert Jochen Buchsteiner eine Familienerzählung, die einen aktuellen Blick auf die deutsche Vergangenheit wagt.
Der detaillierte Fluchtbericht seiner Großmutter ist Ausgangspunkt für Jochen Buchsteiners Buch über Ostpreußen. Persönlich aber unsentimental verfolgt er den Weg der Gutsbesitzerfamilie in den Westen und spürt dabei dem Verlust nach, der nicht nur den Betroffenen entstanden ist. Es entsteht ein Portrait der fast vergessenen deutschen Provinz, die in ihrer Tragik, aber auch in ihrer historischen und kulturellen Einzigartigkeit sichtbar wird – als verdrängter Teil unserer nationalen Identität.
15. Januar 2026, Buchpräsentation: „Alte Wut: Warum ich an den Ort reiste, von dem mein Vater einst fliehen musste“ (2025)
Termin: Donnerstag, 15. Januar 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Caro Matzko (München)
Ort: Adalbert-Stifter-Saal im Sudetendeutschen Haus, Hochstr. 8, 81669 München
In Kooperation mit: Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein
Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089-449993-0 oder per E-Mail unter poststelle(at)hdo.bayern.de
Als Zehnjähriger floh Caro Matzkos Vater aus Ostpreußen. Er verlor seine Heimat, seine Kindheit und erlebte Dinge, die kein Mensch je vergisst. Achtzig Jahre später reist seine Tochter seine Fluchtroute zurück, auf der Suche nach Antworten. Sie will verstehen, warum sich die seelischen Verletzungen ihres Vaters in ihrem eigenen Leben fortpflanzen konnten. Wo liegt der Ursprung ihrer durchlebten Magersucht, ihrer Kämpfe gegen Depression und Burn-out? Wie vererben sich Traumata von einer Generation auf die nächste? Mit schonungsloser Ehrlichkeit und unerschrockenem Humor erzählt die bekannte Journalistin und Moderatorin von einer schmerzhaften Reise, die ihr alles abverlangt. (Text: Piper Verlag)
Im Fokus: Deutsche in der Ukraine
Eine Übersicht über vergangene Veranstaltungen dieser Programmreihe finden Sie in der Broschüre dazu zum Download.
Titelbild der Reihe "Im Fokus: Deutsche in der Ukraine"
Seit 2023 setzt das HDO-Programm einen Fokus auf die Geschichte und Kultur der deutschen Minderheit in der Ukraine, die etwa 33.000 Menschen umfasst und seit dem 10. Jahrhundert nachweisbar ist. Besonders im 18. Jahrhundert wuchs sie durch deutsche Kolonisten unter Katharina II., die sich im Süden, Schwarzmeergebiet, auf der Krim sowie in Galizien, Bukowina und Karpaten niederließen. Sie prägten Wirtschaft, Bildung und Kultur der Ukraine. Im Ersten Weltkrieg wurden sie zwangsweise nach Sibirien umgesiedelt, kehrten aber nach 1917 zurück.
Die sowjetische Volkszählung von 1939 erfasste 392.458 Deutsche in der Ukraine. Zwischen 1937 und 1938 kam es zu Verfolgungen, im Zweiten Weltkrieg zu erneuten Zwangsumsiedlungen.
Nach 1991 fördert die Ukraine deutsche Kultur durch Schulen und Medien. Bayern unterstützt die Minderheit mit Projekten und erinnert an die historischen Verbindungen zu dieser Region, etwa durch Auswanderungen aus Bayern nach Transkarpatien im 18. Jahrhundert und Fluchtbewegungen nach Bayern im 20. Jahrhundert.
Ziel des HDO-Programmschwerpunkts ist es, die Geschichte der deutschen Minderheit in der Ukraine als transregionale Verflechtungsgeschichte zu verstehen. Wichtigster Partner ist der Rat der Deutschen in der Ukraine.
27. März, Buchpräsentation: Bukowina. Eine europäische Vielvölkerregion (2026)
Termin: Freitag, 27. März 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Dr. Mariana Hausleitner (Berlin)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
Die Bukowina, heute aufgeteilt zwischen Rumänien und der Ukraine, war seit dem späten 18. Jahrhundert ein österreichisches Kronland. In der multiethnisch geprägten Region entstand ein mindestens sechssprachiges „Europa im Kleinen“. Ihr plurikulturelles Erbe inspiriert bis heute Künstler, Schriftsteller und Filmemacher. Durch die Literatur von Karl Emil Franzos, Rose Ausländer, Paul Celan, Manfred Winkler ist die Landschaft und ihr geistiges Zentrum Czernowitz (ukr. Tscherniwzi, rum. Cernăuţi) weltweit bekannt geworden.
Seit Jahrzehnten forscht die Historikerin Mariana Hausleitner über die Bukowina. Hier zeichnet sie die historischen Grundzüge der Region unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und jüdischen Bevölkerung nach. Der Bogen wird über die Eingliederung ins Habsburgerreich, als Deutsche und Juden einwanderten, und die Zwischenkriegszeit, als die Region an Rumänien kam, bis zu den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs mit der Aufteilung zwischen der Sowjetunion und Rumänien gezogen. Die Umsiedlung der Deutschen sowie die Deportation und Ermordung Zehntausender Juden bilden dabei die tragischen Tiefpunkte.
Programmreihen-Archiv
Eine Übersicht über die Veranstaltungen dieser Programmreihe folgt.
Eine Übersicht über die Veranstaltungen dieser Programmreihe folgt.
